Turmregatta am Reschensee

  1. Turmregatta am Reschensee

oder Traumrevier, das sich noch nicht von seiner windigen Seite zeigte.

Neben dem Gardasee verstecken sich noch manch andere Segelrevierperlen südlich der deutschen Grenze. Dieses Jahr machte sich die streamline-Klasse auf, den Südtiroler Reschensee zu erkunden.Reschensee2016 panorama

Der kleine, aber feine Segelverein Reschensee, der erst 2011 die Tore geöffnet hat, bietet sich da als Ausrichter an.

Das Gebiet ist große Klasse: Ein 6km langer Stausee berühmt für seine kontroverse Geschichte mit Enteignung, Dorfsprengung und -überflutung. Zementiert in seinem Wahrzeichen, dem Alt-Grauner Kirchturm, der zur Hälfte aus dem See ragt.

Der See liegt auf etwa 1400m Höhe und verspricht 300 Sonnentage, die im Allgemeinen schön starke thermische Winde zur Folge haben. Umrahmt wird der See von einer malerischen Kulisse schneebedeckter Berge, die an der 4000 Metermarke kratzen. Trotz Sommer-Hochsaison kommt der See sehr ruhig daher und nur ein paar wenige Kitesurfer ziehen ab und an ihre Bahnen.

Die Anreise von München kann man durchaus als Katzensprung bezeichnen, umso mehr freuen wir uns, dass drei Teams den weiten Weg aus Berlin auf sich genommen haben. Der Regattakalender versüßt ja auch die Anreise, weil die Events in Österreich und Italien clustern, so dass die Boote hier unten gelassen werden und die Teams so deutlich zügiger ihre Rückreise bestreiten können.

Der Samstag beginnt ganz entspannt, da der erste Start nicht vor 13:00 vorgesehen ist. Diverse Boote werden noch gekrant und machen mit der ersten Besonderheit des Sees Bekanntschaft. Es gibt keinen richtigen Steg sondern nur Bojenliegeplätze. Klingt kompliziert, ist es aber nicht, da alle Mannschaften per Motorboot geshuttelt werden. Wir teilen uns das Event mit den Solingen, die seit Freitag da sind und schon fleißig ihre Bahnen ziehen.

Zum ersten Start haben wir etwa drei Windstärken. Die Thermik kann sich nicht so richtig aufbauen, weil das Wetter eher bescheiden ist. Gesegelt werden sollen drei klassische Runden ‘up and down’. In der zweiten Runde lässt der Wind dann ordentlich nach und dreht in Richtung Einbahnstraße. Die Wettfahrtleitung erlöst uns am Ende der zweiten Runde mit der Flagge ‘S’. Es geht zurück in den Hafen und wir lernen die weiteren Annehmlichkeiten des Gastgebervereins kennen: Freibier, Brotzeit und noch mehr Freibier. Da blüht das Seglerherz. Ein weiterer Start kommt auch nicht mehr zu Stande. Da hilft auch nicht, dass die Einheimischen von 4 Wochen Bombenwetter mit ordentlich Wind berichten können. Abends wird dann gemeinsam im großen Festzelt gespeist, mit 4-Gänge Menü von dem so manch anderer Segelverein vor Neid erblassen würde. Außerdem werden die Tagessieger mit rotem Trikot und Champus gekürt.

Noch abends wird beschlossen für die weiteren Rennen generell auf zwei Runden zu verkürzen, um noch möglichst viele Wettfahrten in die Wertung zu kriegen.

Der Sonntag fängt dann auch gut an. Die erste Wettfahrt geht bei Südwind sauber durch, der nächsten geht jedoch auf den letzten Metern die Puste aus. Bei der daraus resultierenden Bahnabkürzung gibt es zwar ein wenig Konfusion, aber nichts was einen Einfluss aufs Ranking hat.

Danach ist dann erstmal Glatze auf dem See. Die Sonne kommt raus, es wird verdammt heiß und wir können endlich die Wollmützen ausziehen, die für jeden Teilnehmer im Begrüßungspaket waren. Zusammen mit den Solingen segeln wir über den See und treiben einmal kollektiv um den bereits besprochenen Kirchturm herum und begaffen die Touristen an Land.

Die ersten streamlines geben die Hoffnung auf und machen sich auf zum Kran,allerdings setzt kurz vor der letzten Startmöglichkeit der Wind aus Norden wieder ein.

Der Wettfahrtleiter macht kurzen Prozess und so geht es mit den verbliebenen streamlines noch ein letztes Mal auf die Bahn. Vielleicht liegt es am Sonnenschein in der Windpause, jedenfalls bläst es jetzt endlich mal mit guten 4 Windstärken. So macht die streamline besonders viel Spaß. Champagnersegeln zum Abschluss.

Für alle Beteiligten bleibt das Herauskranen. Abgerundet wird es mit Freibier. Das ist für uns besonders interessant, weil wir noch ein paar Tage Urlaub hinten dranhängen und auf die Rückreise verzichten können.

Es bleibt noch die Zusammenfassung und der Ausblick: Verdammt schön hier im Hochgebirge. Ein See, der nicht langweilig wird – wenn doch, dann einfach mal unfreiwillig Mann über Bord Manöver üben. Wir haben den See jedenfalls taktisch noch nicht so ganz durchdrungen.

Ergo wiederkommen! Die würden uns hier auch nochmal nehmen. Freie Bojen gibt es auch, also können wir nächstes Jahr mit zwanzig streamlines aufschlagen.

Eigentlich fast schon nebensächlich:

Platz 3: 2002 Adrian, Carlo und Michi

Platz 2: 2073 Axel, Viecher und Thilo

Platz 1: 2065 Malte, Thilo und Simon

 

Allerdings gibt’s Wein zu gewinnen. Aus Tirol, in riesigen Flaschen…

Es grüßt eure GER 2065