Taktik und Technik. Ein Up and Down mit Adrian Mertens

Taktik und Technik. Ein Up and Down mit Adrian Mertens

Gute Startkreuz. Wir fahren mit Backbord, mit zwei Vorschotern im Trapez, auf das Luvfass zu. Wenn wir nun das Luvfass kurz vor unserem Bug haben, das werden so ca. 50 m sein, und wir keine Halse fahren möchten, dann wird der Spinnakerbaum in Luv angesetzt. Bevor dies aber geschieht, wird die Fockschot an den Mittelmann (Vorschoter Nr.2 ) weitergereicht, damit man immer die volle Kontrolle über die Fock hat. Vorschoter Nr.1 geht nun ins Boot, gleichzeitig wird auf Vorwind abgefallen. Der erste Schritt ist, den Baberholer in Lee zu lösen. Der Mittelmann sollte nun auch im Boot sein, Fock wird auf Vorwind eingestellt. Der Mittelmann greift sich nun die Spischoten und zieht sie ein Stück nach achtern, um später beim Setzen nicht unnötig viel Schot zu ziehen und um schnellere Kontrolle über den Spi zu gelangen. Vorschoter Nr.1 spricht sich nun mit dem Mittelmann ab, um sicher zu gehen, ob er bereit zum Setzen ist, wenn dies bejaht worden ist, zieht Vorschoter Nr.1 so schnell er kann am Spihochholer. So, und wenn das ganze gelungen ist, sollte man nicht weiter als 30-50 m vom Luvfass entfernt sein.

Zwei Zigaretten später und zwei Positionen besser, durch das gute Setzen des Spinnakers, sehen wir schon das Leefass.

Nun kommt das etwas schwierigere Manöver, bei welchem sich schon etliche gute Mannschaften aufgeraucht haben. Diesem Manöver muss man besondere Aufmerksamkeit widmen, da man hier etliche Meter gewinnen sowie etliche Meter verlieren kann. Die Vorraussetzungen für ein gutes Manöver sind, dass alle (auch Steuermann) wissen, was sie wollen und zu machen haben. Jeder sollte sich auf seine Aufgaben fokussieren und nicht nach links oder rechts schauen, da dies nur Zeit kostet und die Fehlerquote erhöht. Das hört sich leicht an, aber wenn man darauf achtet, machen dies nicht alle. Ich habe diesen Fehler auch lange Zeit gemacht und ja, es ist ein großer Unterschied wenn man sich nur auf seine Aufgaben fokussiert.
Nun weiter mit dem Manöver. Wir fahren mit Steuerbord auf das Leefass zu. Es ist keine Hals mehr nötig, also wissen alle, was nach dem Bergen zu tun ist. Vorschoter Nr.1 spricht sich mit dem Mittelmann ab. Sobald die gewünschte Distance erreicht ist, geht’s los mit dem Manöver. Distance erreicht. Der Reinholer des Spinnakers wird solange gezogen, bis es kein Tuch mehr gibt. Das soll heißen, dass nun zwischen dem Spinnakertop und dem Reinholepunkt im Spinnaker eine Falte zu sehen ist. Dies führt nun dazu, dass kaum noch Druck im Spinnaker ist. Nun wird der Spinnakerhochholer ausgehakt. Vorschoter Nr.1 zieht nun um sein Leben an dem Reinholer. Zur gleichen Zeit zieht der Mittelmann seine Spischoten nach Achtern, damit verhindert er das „Überfahren“ des Spi`s. Dies muss aber gefühlvoll geschehen, da es nicht darum geht, sie nur nach Achtern zu ziehen, sondern auch darum, sie im gleichem Moment zu fieren, da sonst Vorschoter Nr.1 keine Chance hat den Spi zu bergen (Übungs-/ Abstimmungssache). Spinnaker ist nun drin. Wenn die Zeit reichen sollte, alles klarieren und die Fock schön parallel mit dem Groß dicht ziehen. Nun schnell raus ins Trapez, geschafft.
Aber leider ist dies ja nicht der Regelfall. Egal wie hektisch es werden kann oder ist, das Reinholen ist erste Priorität und darf nicht schief laufen. Hektik, das Reinholen hat geklappt. Fürs Klarieren ist keine Zeit. Die Fockschot wird an den Mittelmann gereicht. Vorschoter Nr. 1 ist noch beim Verstauen des Spinnakerbaumes. Die Tonne wird gerundet. Nun sollte Vorschoter Nr. 1 fertig sein. Er geht nun raus ins Trapez, über-nimmt die Fockschoten. Die Hektik ist verflogen, ein stark atmender Vorschoter ist zu hören, aber das Manöver hat geklappt. Nun geht’s an die Kreuz.
Erste Wende. Beide Vorschoter stehen im Trapez. Wende. Vorschoter Nr. 1 geht als Erster ins Boot. Die Fockschot ist unter Zug. Der Bug dreht durch den Wind. Sobald die Fock einen leichten Gegenbauch bekommt, wird sie losgeschmissen. Vorschoter Nr. 2 sollte so lange wie es geht im Trapez bleiben. Er rennt nun auf die neue Luvseite und geht sofort ins Trapez. Vorschoter Nr.1 sollte am besten parallel oder nur kurze Zeit später im Trapez sein. Die Fock sollte erst im Trapez eingestellt werden, also dicht geholt werden. Dies führt dazu, dass man nicht nach der Wende den 100% Druck hat und erstmal losfährt. Den Druck kann man später besser dosieren, da beide Vorschoter im Trapez sind und man weiß wie viel Druck man fahren kann. Wenn man nämlich die Fock zu dicht hat nach der Wende, kann es passieren, dass man zu viel Druck hat und nicht losfährt, sondern in den Wind schießt. Der Wind wird schwächer. Wir fahren mit Backbord. Der Wind hat um 10° gedreht. Wende! Steuermann setzt zur Wende an. Beide Vorschoter sitzen auf der Bordwand. Es gibt viele Möglichkeiten, dies ist nur eine. Nun übernimmt Vorschoter Nr. 1 den Ablauf. Bug dreht langsam durch den Wind. Die Fock bekommt einen leichten Gegenbauch. Der Gegenbauch wird kurz gehalten, um den Bug bei diesen Windbewegungen nun schneller durch den Wind zu drücken. Nun kommt die Fock. Parallel dazu kommt auch das Groß. Ein leichter Druck baut sich auf. Druck ist da. Nun kommt es auf das Gefühl des Vorschoters Nr.1 an, wann er es für gut empfindet ins neue Luv zu wechseln. Druck reicht. Es wird runter gezählt: 3, 2, 1, rüber. Die gesamte Mannschaft wechselt nun die Seite. Desto paralleler desto mehr Druck bekommt man in das Segel. Das Boot fährt nun dadurch schneller an. Diese Wenden sind reine Übungssache und jede Mannschaft muss da ihren eigenen Rhythmus finden. Wichtig ist nur, dass die Wende sich für alle richtig und schnell anfühlt. Das Mann-schaftsgewicht bewegt sich geschlossen/parallel über das Deck. Das Ziel ist nicht mehr weit. Der Wind dreht, 10° plus für uns, klasse.
Wir müssen nicht mehr Wenden, das sollte reichen.
Ziel 🙂