Streamlining – Erfahrung Regatta-Charter

Erlebnisreiche Tage in Warnemünde

Viele verschiedene Bootsklassen bin ich mittlerweile schon gesegelt:
Varianta, Dyas, FD …ist da sonst gar nichts mehr? Schon länger hatten
Frederik und ich uns überlegt, dass es cool wäre mit meinen alten Vorschotern
Berthold und, oder Magnus eine weitere Bootsklasse kennen zu lernen.

Wenn man sich ein wenig umschaut, dann fällt einem direkt die Streamline
(www.streamline-kv.de) ins Auge:
7,15m lang, 2,55m breit, 600kg schwer, über 30 m2 am Wind und 50 m2 Spi… Ein Sportgerät gebaut für drei Segler und Seglerinnen (in Warnemünde war auch eine reine Frauencrews am Start).

Boot Düsseldorf 2015:

Zwischen Dyas, Varianta und Platu steht sie da – eleganter Segelplan und sportliches Cockpit… Von der Steamline-HP weiß ich, dass es möglich ist die Streamline mal für ein Regattawochenende zu chartern. Ganz spontan frage ich am Stand der KV, ob wir wohl mal eine Regatta mit dem Boot segeln können.

Nachdem geklärt ist, dass ich weiß wo Pinne und Großschot ist, sagte der Herr vom Stand – Axel Mertens – das wir sein Boot in Warnemünde Segeln können.
Warnemünde das Traumrevier an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern!!!

Kurzes Gespräch mit Frederik… FD-IDM gecancelt… Berthold angerufen und zugesagt!

1. Juli:

Abfahrt 7:30 von Recklinghausen nach Berlin. Boot abholen. Frederik mit der Nase im Handy… Trimmtipps von der Streamline HP vorlesen, Diskussion der Tipps… Was ist Dyas, was FD-like? Dann Manövertipps – wie bauen wir den dritten Mann ein? Diskussion – wer ist Vorschoter und wer ist Mittelmann. Morgen werden wir das testen und Manöver einschleifen – schlechte Manöver soll es möglichst auch auf der Streamline nicht geben!
Dann youtube Videos… Wende, Halse, Setzen, Bergen,… Was gefällt uns gut, was nicht? Puhh – ein Glück ich hab den Führerschein noch.

13:30 Uhr Berlin Bootsübergabe:
Ein kurzes Hallo, dann einige kurze Erklärungen an Adrians Boot. Das meiste wirkt vertraut, einiges aber auch neu. Na hoffentlich klappt das mit dem Aufbauen ohne größere Probleme.

Bildschirmfoto 2015-08-16 um 13.59.42

2. Juli Warnemünde – 9:00 Uhr:

4 bis 5 Bft , dazu Sonne und 25 Grad… Da kann man kaum die Füße still halten. Also auf zur hohen Düne und Boot auspacken…Leider ist hier niemand darauf vorbereitet, dass wir schon Kranen wollen und so klappt das erst um 13:00 Uhr.
Danach wird aufgebaut und wir machen uns mit dem Boot vertraut… Dann geht’s endlich los. 4 bis 5 Windstärken… Groß setzen, die ersten Wenden… Irgendwie fällt alles schwer… Zweimal neigt sich das Boot gewaltig und wir haben es wohl den 250 kg Blei am Kiel zu verdanken, dass wir nicht schwimmen gehen. Dann langsam aber sicher spielen wir uns ein. Die Wenden klappen immer besser. Kreuzen kein Problem. Dann mal Abfallen und beschleunigen. Der GPS zeigt über 13,5 Knoten an. Segeln wie im Rausch.
Nach einer Stunde lässt der Wind etwas nach. Also doch mal den Spi ziehen… Wir sind geflascht wie groß der ist. 51 m²… Das ist ne Ansage. Macht ordentlich Druck. Es fällt uns schwer den Spi ruhig zu fahren. Nach 2 Stunden beenden wir das Training.

3. Juli – Training bei 2 bis 3 Bft:

Heute geht alles leicht, die Manöver laufen flüssig und wir können entspannt trainieren. Wenden, Halsen, Spi rauf, Spi runter. Wir versuchen zu optimieren wo wir können. Gegen 1500 Uhr schläft der Wind ein. Wir fühlen uns gut für die Warnemünder Woche vorbereitet.
Erstes Fazit: mit der richtigen Abstimmung ist das Boot gut beherrschbar und macht richtig Spaß. Für flüssige Manöver empfiehlt es sich die Tipps von der Homepage der KV zu beherzigen!

Unbenannt

4. Juli:

Die Sonne brennt, aber wo ist der Wind geblieben? Flaute den ganzen Vormittag. Zeit die Steuermannsbesprechung zu suchen… Dann gegen 12:30 Auslaufen. Bei drehenden Winden kreuzen wir mühsam zur Startlinie. Dann der erste Aufreger: wir passieren – noch vor dem Rennen – eine Bahnmarke und verfangen uns mit dem Kiel in einer nicht aufgeschossenen Leine, die dicht unter der Wasseroberfläche um die Tonne treibt. Ich als Steuermann springe beherzt ins Wasser und rette das Leben der Crew und der Tonne.
Dann endlich der erste Start: wir verschätzen uns mit der Geschwindigkeit und sind zu früh an der Linie… Der Rest der Klasse hat Mitleid und verursacht einen Massenfrühstart… Also halb so schlimm.
Zweiter Versuch… Der Wind dreht kurz vor dem Start und es wird nach einigen Metern abgebrochen… Dann Startverschiebung.

Dreißig Minuten später erneuter Start. Wir kommen ordentlich weg und die Startkreuz läuft gut. 5. an der Eins! Aber dann verschlafen wir den richtigen Zeitpunkt zur Halse. Das ganze Feld fährt uns drüber und wir fallen auf den letzten Platz zurück, werden insgesamt vorletzter.

Streamline-Charter-Warnemuende_3

Dann wieder Massenfrühstart gefolgt von Black Flag… Wir kommen gut weg und gehen als zweiter um die eins und das Leetor. Auf der Kreuz verlieren wir dann zwei Plätze und können danach den vierten Platz bis ins Ziel verteidigen.
Insgesamt 5. Platz am ersten Tag und sonnengebrannte Haut… Damit sind wir mehr als zufrieden.

5. Juli – warten auf Wind – vergeblich

Wie schon nach dem Wetterbericht zu erwarten ist beginnt der Tag mit AP – Startverschiebung Zeit mit den Jungs und Mädels der Klasse gemütlich zusammen zu sitzen und zu schnacken. Das Kennen Lernen fällt leicht und wir fühlen uns sofort integriert. Dann gegen 13 Uhr geht AP runter. Alle sind etwas irritiert, aber wir machen das Boot fertig und fahren langsam Richtung Startlinie. Der Wind ist dort überraschend gut. 2 Mann im Trapez bei zwei Bft – das Boot ist zügig unterwegs.
Nachdem auch die Dyas und Seascape angekommen sind, wird endlich gestartet. Wir kommen gut weg, wenden nach rechts und finden uns am Ende der Kreuz an zweiter Stelle wieder. Downwind wird der Wind dann immer schwächer. Der Nervenkrieg beginnt. Wir verlieren den Anschluss zum führenden und auf der anderen Seite kommen zwei Boote vorbei. Als wir am Tor sind hat der Wettfahrtleiter ein Einsehen und bricht die Wettfahrt ab. Danach geht’s nach Hause. Keine weiteren Wettfahrten heute, dafür organisiert Roman ein gemeinsames Essen mit der Klasse. Es wird geklönsnackt und über Taktik und Trimm gefachsimpelt.

6. Juli – heute gibt’s Hack

Was gestern zu wenig war ist heute zu viel. Böen bis 30 Knoten sorgen für Startverschiebung an Land. Selbst bei der Segelbundesliga beobachten wir mehrfach Sonnenschüsse und wir rechnen nicht mehr damit auszulaufen. Dann geht AP runter. Auslaufen? Wir diskutieren einige Zeit, doch sind unschlüssig, ob wir mit einem geliehenen Boot fahren sollen. Dann sehen wir Hansi, der händeringend einen Mittelmann für sein Boot sucht. Wir entscheiden Frederik abzugeben und Axels Material zu schonen.

Frederik: „Als klar ist, dass ich mit Hansi raus fahre, beeile ich mich in meinen Trocko zu kommen. Und dann geht’s los. Hansi hat das Boot voll abgepowert und die Streamline lässt sich problemlos beherrschen. Auf dem Weg zum Start verständigen wir uns über die Abläufe bei den Manövern. Einen Testlauf für den Spi schieben wir bis zur ersten Tonne auf. 

Startvorbereitung: Kurs IV ??? Völlige Ratlosigkeit, bisher war‘s immer Kurs III… Egal wir werden schon nicht erster sein…
Nach der Starkreuz: Mist Erster! Und wo jetzt lang?
Der Spiprobelauf gelingt problemlos und am Gate haben wir auch das „Wo-geht‘s-lang“-Problem gelöst. Zweiter… Den Platz halten wir auch bis ins Ziel. Im zweiten Lauf werden wir dritter – was ein geiler Segeltag…
Fazit: auch bei Wind ist die Streamline gut beherrschbar. Durch die enorme Geschwindigkeit hält sich der Druck auch mit Spi in Grenzen und das Boot lässt sich von der Crew perfekt beherrschen.“

Durch die zwei nicht mitgefahrenen Wettfahrten werden wir am Ende Neunte – immerhin nicht letzter. Siegreich ist Adrian Mertens mit seiner Crew „Timo Müller und Konstantin Gänge“.

Fazit

Wir haben einige richtig coole Segeltage auf einem Gleitboot verbracht, dass viel Spaß macht und von einer eingespielten Crew sicher beherrscht werden kann. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder!!!