INTERVIEW: Sven Rüggesiek

Für seinen Buder eingesprungen

Sven RüggesiekDas Gespräch mit Sven Rüggesiek führte Andreas Beckmann (seit Jahren aktiv in der streamline-Szene):

A.B.: Hi, alle kennen Dich unter dem Namen Bobo! Für Dich ok?

S.R.: Ja, der Name ist mir sowieso lieber.

A.B.: Du bist schon lange einer der Aktivsten in der Klasse, wie bist Du zur streamline gekommen? 

S.R.: Ich bin durch meinen Bruder zum streamline-Segeln gekommen. Als er aus beruflichen Gründen nach Bayern ging und deshalb aufhören musste, bin ich für ihn eingesprungen und bin mit seinem Team weiter gesegelt. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich bis heute noch streamline segle.

A.B.: Ich kenne Dich seit Jahren von Regatten. Bei Leichtwind warst Du immer verdammt schnell, jetzt muss man auch bei Starkwind mit Euch rechnen.

S.R.: Ich denke, diese Veränderung ist zum einen auf jahrelange Erfahrung und Training zurückzuführen. Zum anderen glaube ich auch, dass das Gewicht der ganzen Crew auch eine entscheidende Rolle spielt.

A.B.: Du hast 2005 die Rangliste und 2008 den Deutschlandcup gewonnen. Auch die Saison 2009 verlief für Dich und deine Crew nicht gerade schlecht, wie siehst Du selbst Euren Erfolg?

S.R.: Ich denke, dass wir einige schöne und gute Regatten gesegelt sind. Ein besonderes Highlight ist natürlich immer der Gardasee. Zu meinem Bedauern reicht die Zeit aus beruflichen Gründen kaum noch für ein vernünftiges Training.

A.B.: Du warst vor 3 Jahren an der „Meister der Meister“–Regatta von der „Yacht“ auf der Alster dabei. Gesegelt wurde mit Streamlines, konntest Du den „Heimvorteil „nutzen?

S.R.: Natürlich hat es Vorteile bei einem Match- Race ein Boot zu fahren, was man schon gut kennt. Auf der anderen Seite aber ist die Streamline ein so geniales und durchdachtes Boot in das sich ein erfahrener Segler schnell eingewöhnen kann.

A.B.: Wer neu in die Klasse kommt, muss stets Lehrgeld zahlen, obwohl es strenge Klassenvorschriften gibt. Kannst Du ein paar Tipps zum Handling und Trimm geben? Worauf sollte man auf jeden Fall achten?

S.R.: Wenn man die streamline Klasse ein wenig beobachtet, so merkt man, dass eigentlich immer die vorne sind, die die Streamline schon mehrere Jahre segeln. Das heißt natürlich, das die Segelerfahrung – wie in jeder Bootsklasse – wichtig ist. Der andere Punkt, der mir bedeutungsvoll erscheint, ist das Zusammenspiel des Teams. Im übrigen denke ich, dass die meisten Neueinsteiger sich mit dem Trimm und dem Material zu sehr beschäftigen, anstatt sich auf ihr Gefühl zu verlassen. Ich persönlich segle eher „aus dem Bauch heraus“.

A.B.: Wie sehen deine Pläne für 2010 aus, werdet ihr wieder angreifen?

S.R.: Das würden wir schon gerne – aber aus beruflichen Gründen müssen wir es ruhiger angehen lassen.

A.B.: 2010 ist Kiel für die Klasse ein Highlight! Warst Du in früheren Jahren bereits dort?

S.R.: Ich habe schon ein paarmal in anderen Bootklassen an der Kieler Woche teilgenommen. Und ich denke, dass es für die Streamline – Klasse eine absolute Bereicherung sein wird.

A.B.: Ihr seid dabei?

S.R.: Ich will es hoffen.

A.B.: Ein hohes Meldeergebnis in Kiel wird für die Klasse wichtig sein, wie schätzt Du das ein? Wird die Berliner Flotte komplett dabei sein?

S.R.: Ich gehe davon aus, dass fast alle Berliner Streamlinesegler dabei sein werden. Ich wünsche mir, dass sich die Kieler Woche neben dem Gardasee zu einem herausragenden Event entwickelt.

A.B.: Wie siehst Du selbst die weitere Entwicklung der Klasse, stabile Meldezahlen wie zur Zeit oder ist da noch Potenzial für größere Felder?

S.R.: Ich bin verwundert, warum die Klasse noch nicht viel größer geworden ist. Für mich ist die Streamline das perfekte Boot um vom 420er – 470er umzusteigen: ein Mix zwischen Jolle und Dickschiff, es ist sportlich und schnell, aber durch den Kiel nicht so kippelig wie z.B. der 49er. Möglicherweise schreckt der hohe Preis von fast 40 000,-€ vor allem junge Leute ab.

A.B.: 2009 hat unser Präsi Axel Mertens alles abgeräumt. Bei ihm an Bord ist sein Sohn Adrian, auch einer der „jungen Wilden“ wie Du!. Hat die Altersmischung in der Streamline-Klasse aus deiner Sicht seinen besonderen Reiz?

S.R.: Die Streamline bietet schon die Voraussetzungen für eine „Altersmisschung“. Unabhängig vom Alter ist es aber am wichtigsten, dass das Team harmoniert.

A.B.: Wie erlebst Du die Klasse auf Regatten, läuft da auch was an Land vor oder nach den Rennen?

S.R.: Insgesamt macht mir das abendlich Beieinadersein verbunden mit einem kühlen Bier Spaß. Ich persönlich schätze es aber auch, wenn es andere Fun – Wettbewerbe gibt, wie z.B. Gokart Rennen.

A.B.: Dank Dir für das Gespräch, wir sehen uns auf der Piste……..!

S.R.: Wahrscheinlich am 01. – 02. Mai beim LGT- Cup am Starnberger See