INTERVIEW mit dem Bayern Kay Niederfahrhorst

Wie bist Du in Kontakt mit der Streamline gekommen?

KAY: Klingt komisch ist aber so 😉 auf der „Boot“ DĂŒsseldorf. Nach der aktiven Phase in den olympischen Klassen 470er und 49er und dann ein paar Jahren Pause wegen Interview Kay NiederfahrhorstJobentwicklung, wollte ich mich umsehen, was es denn so spannendes auf dem Bootsmarkt gibt. Eine weitere Herausforderung musste her, denn „nur“ H-Boot segeln war einfach zu langweilig. Die Kombination aus sportlichem Segeln, aber eben auch mit Freunden, GeschĂ€ftspartnern „auf hohem Niveau“ segeln zu gehen, hat mich gereizt. Nach wie vor erfĂŒllt die Streamline diesen Anspruch voll und ganz.

Du warst einer der ersten Bayern, die erfolgreich das Schiff segeln. Wie empfindest du die Entwicklung der Klasse?

KAY: Das stimmt, ich hatte die erste Streamline am Starnberger See. Nach intensiven GesprĂ€chen mit den Sportwarten der „großen“ Segelclubs am Starnberger See und nach Testwochenenden mit vielen Seglern und sehr ausfĂŒhrlichen Feedbackbögen (es wurde auf Joker, Melges, Ufo, Dyas u.a. gesegelt) war die Begeisterung fĂŒr die Streamline bei den Seglern grandios. Ich glaubte daran, dass hier etwas Neues entstehen kann. Der erste Schritt ging dann auch sehr schnell, DTYC (Tutzing) und der MYC (Starnberg) stiegen schnell ein und so waren gleich 10-12 Boote am See. Zudem begeistern mich die Segler, die sich in der Klasse bisher getroffen haben. Teilweise sehr hohes Niveau, Leute mit denen man bereits frĂŒher, um die Wette gesegelt ist, und auch neue Segler, die sich einfach gut in die Klasse integrieren. Macht damit viel Spaß sich auf den Regatten zu treffen und zu messen. Sportlich wertvoll, aber nicht zu verbissen. Ich denke die Entwicklung wird weitergehen, hierzu mĂŒssen die aktiven Segler ihr Boot öfters mal zur VerfĂŒgung stellen. So kann der Funke ĂŒberspringen und ich hoffe, dass es auch in Zukunft Finanzierungskonzepte gibt, damit sich „junge“ Leute das Boot ĂŒber Jahre finanzieren können – das halte ich fĂŒr erfolgsversprechend.

Gibt es Punkte, die Dich an dem Schiff stören?

KAY: Selbst nach 5 Minuten nachdenken, NEIN – ich finde das Design, das Konzept nach wie vor hervorragend. Die bayrischen Seen sind berĂŒchtigt fĂŒr ihre schwachen Winde.

Letztes Jahr hat man Dich in WarnemĂŒnde und am Gardasee gesehen. Jedoch immer mit wechselnder Crew. Wie ist der Zusammenhang zwischen dem Erfolg und der wechselnden Crew begrĂŒndet?

Wow, fast eine wissenschaftliche Frage, aber ganz ruhig – steht nicht im Zusammenhang. Ich segle sehr viel aus Spaß, kann beruflich teilweise erst wenige Tage vor der Regatta sicher zusagen, daher wechselt die Mannschaft logischer Weise öfters (da es aber doch immer wieder die gleichen sind, möchte ich dem Vorurteil, dass ich ein sozial nicht haltbarer Steuermann wĂ€re gleich entgegenwirken ;-).
Klar ist es nicht verkehrt, in Revieren mit viel Wind eine schwere Crew zu haben. Diese ist dann wichtig, wenn es um den Sieg geht. Aber auch mit einer leichten Mannschaft ist das Boot einfach zu beherrschen. Leichtere Mannschaften können ebenfalls vorne mitmischen.

Zum Oktoberfest sponsorst Du unseren Besuch im LöwenbrÀu Keller. Wie kam es zu dieser Schnapsidee?

KAY: Naja, wie oben beschrieben, finde ich die Truppe, die sich zu den Regatten trifft echt klasse. Es gab ja auch bereits andere Segler die in der Vergangenheit was unternommen haben, jetzt vergesse ich sicher Einige, aber z. B. stellt Axel Mertens in WarnemĂŒnde immer etwas auf die Beine. So war es jetzt eben mal ich der fĂŒr den SĂŒden versucht hat etwas zu unterstĂŒtzen. Ich hoffe es wird eine tolle „After Sail Party“.

Wie soll die Zukunft in Bayern bei den Streamlinern sich entwickeln?

Ich wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass wir viele Segler aus den Jugendbooten begeistern können. In meinen Augen hören zu viele Segler nach dem 420er oder vergleichbaren Bootsklassen auf zu segeln. Das finde ich Ă€ußerst schade. Segeln ist und bleibt ein toller Sport fĂŒr jung und alt. Unsere Aufgabe: Mehr AufklĂ€rung leisten, denn viele, die vom Ufer zuschauen, denken es ist ein kaum zu beherrschendes „Rennboot“. In meinen Augen ist kaum ein Boot so einfach zu segeln wie die Streamline. Hier mehr die „Masse“ einzubinden könnte weiteren Zulauf bringen. Aber ich möchte unterstreichen, dass auch mit 20- 25 Booten ein RegattagefĂŒhl aufkommt wie bei einer H-Boot Regatta mit 60 Booten. Grund hierfĂŒr ist die Geschwindigkeit und dass doch alle Boote unheimlich nah beieinander bleiben.

„Kombination Kieler- und WarnemĂŒnder Woche“ oder anders wie verbinde ich segeln mit einem traumhaft schönen Urlaub. Im Juni 2010 war Premiere fĂŒr die Streamline Klasse auf der Kieler Woche. Die Teilnahme an der WarnemĂŒnder Woche war ja schon einige Jahre etabliert und erfreute sich jedes Jahr großer Beliebtheit. WĂ€re es nicht schön, in der schönsten Jahreszeit beide Ostsee-Segel-Highlights mit der Streamline erleben zu können?

KAY: FĂŒr uns ganz klar mit „Ja“ beantwortet, entschieden wir uns in unserer dritten Streamline Saison daher an beiden Serien teilzunehmen. Bedingt durch die lange Anreise (MĂŒnchen Kiel, ca. 13 Std. mit HĂ€nger) schied aber ein „Hin- und Herfahren“ recht schnell aus. Die Lösung bestand darin, einfach an der Ostsee zu bleiben. Die Woche zwischen den beiden Serien ĂŒberbrĂŒckten wir auf der dĂ€nischen Seite der Ostsee. Da das aus unserer Sicht wirklich ein toller fast dreiwöchiger Urlaub war, wollen wir in ein paar Zeilen allen Streamlinern davon berichten. 2010 nahm die Streamline Klasse erstmalig unter der Rubrik „One-Design Einheitsklasse“ an der Kieler Woche teil. Mit 18 gemeldeten Schiffen war die Veranstaltung auf Anhieb gut besucht. Am ersten Tag mit stĂ€rkerem Wind konnten die Teilnehmer in der Folge sonnige und schwachwindige Tage an der Kieler Förde verbringen. Etwas eng ging’s regelmĂ€ĂŸig am Start mit den auf der gleichen Bahn startenden Dickschiffen zu. Highlights dieser Tage war sicher das von der KV großzĂŒgig arrangierte gemeinsame Abendessen etwas nördlich von Strande. Im Anschluss an die schönen 5 Tage in Kiel fuhren wir unmittelbar im Anschluss in etwa 3 Stunden Fahrt ĂŒber die A20 nach WarnemĂŒnde. Dort bestand die Möglichkeit, den HĂ€ngerparkplatz schon vor Beginn der WarnemĂŒnder Woche zu benutzen. FĂŒr eine knappe Woche Schiff abstellen wurden etwa 30 EUR fĂ€llig. Ein sehr fairer Preis fĂŒr einen gesicherten und gut geschĂŒtzten Privatparkplatz. Rechtzeitige Anmeldung beim Hafenwart erleichtert maßgeblich das Aufsperren der Pfosten.

Im Wissen, dass das Schiff gut untergebracht ist, erwischten wir knapp die letzte FĂ€hre in Rostock Richtung Gedser, DĂ€nemark und freuten uns auf eine entspannende Woche an der so genannten dĂ€nischen SĂŒdsee. Über die Firma Novasol kann man wunderbare FerienhĂ€user in allen Preis und GrĂ¶ĂŸenkategorien reservieren, was in diesem Fall ganz ausgezeichnet funktionierte. Vor allem muss man nicht unbedingt tagsĂŒber ankommen. Nach den Segeltagen in Kiel hieß es dann erstmal einige Tage am dĂ€nischen Strand zu entspannen. GrĂ¶ĂŸere StĂ€dte sind allerdings in SĂŒd-DĂ€nemark rar. Kopenhagen ist noch knappe 3 Autostunden vom FĂ€hranlegepunkt in Gedser entfernt. DafĂŒr entschĂ€digte der 12 km lange Sandstrand in Marylyst (auch aus diesem Grund ein sehr beliebtes Reiseziel der Kopenhagener) und in unserem Fall das traumhafte Wetter. Nach der ganzen Entspannung freuten wir uns auf WarnemĂŒnde. Die gewohnt reibungslose Organisation mit hervorragendem RegattabĂŒro ermöglichten dann ein schönes Segeln vor WarnemĂŒnde. Die „Binnen-Segler“ waren recht froh ĂŒber die ebenfalls recht schwachwindigen Bedingungen. Der letzte Wettfahrttag entfiel mangels Wind leider komplett. Alles in allem wirklich wunderschöne Tage an der Ostsee, die wir nur wĂ€rmstens allen Streamline- Freunden empfehlen können. Das Hin- und Herfahren des Schiffes ist nicht nötig. Wenn es der knappe Terminplan nicht zulĂ€ĂŸt, kann man sicher die Tage zwischen den beiden Serien auch arbeiten gehen. Aus Erholungssicht und im Rahmen der CO2 Reduzierung spricht aber sehr vieles fĂŒr die Kombination dieser beiden schönen Serien und ein Verweilen an der Ostsee.

Vielen Dank!