Lago di Garda – Euro Cup 2016

Lago di Garda – unverhofft   

… die schönste Segelwoche des Jahres rückte immer näher – streamline Europe Cup am Gardasee – Segeln auf meinem liebsten Süßwasserrevier in Europa. Seit 30 Jahren mit Soling, Drachen, Asso und FD. Dieses Jahr erstmals mit der streamline und zum ersten Mal hier auch am Rohr.

streamline euro cup gardasee

Eigentlich ein Grund zu grenzenloser Vorfreude, wären da nicht meine 3 Probleme gewesen: Kein Schiff (außerplanmäßiger Werftaufenthalt der KV streamline nach 700 Liter Wasser im Zwischenboden), keine Mannschaft (irgendwas mit Familienfeiern und lang gebuchten Urlaubsplänen in der Toskana) und keine Ahnung wie es weitergehen sollte.


Doch nichts ist unmöglich und so klingelte 3 Wochen vor Startschuss dann doch noch das Telefon. Adrian. Mit einem spannenden Vorschlag: Am Reschensee steht Malte Christophersen – zwar mit intaktem Schiff – aber ohne Zugmaschine und ohne Mannschaft für den Lago. Auch Isabella Knaus hatte wohl die Planung bereits aufgegeben, da die Mannschaft keine Zeit hatte, würde selbst aber liebend gerne segeln.

Gesagt getan – ein schnelles Schiff, drei Steuerleute und mit einer Woche Champagnersegeln konnte es losgehen.

Nach Abholung der GER 2065 am Reschensee ging es noch am Sonntag alleine über Meran und Bozen weiter nach Torbole. Malte war noch am Mittelmeer, Isa noch in München. Was soll’s. Anreise klappte prima, Schiff im Club abstellen auch, Zimmer einchecken, und …. ausschlafen. Die Crew hatte sich erst für den Dienstag angemeldet und die Ora hatte sich sowieso erst einmal verkrochen. Zu viele Wolken, als dass sich die Standard Mittagsthermik durchsetzen konnte. Daher den Montag erst einmal relaxen. Lunch in Riva, Cappuccino im CVT, Boot in die Poolposition an Kran verholen und warten. Bei weiteren 3 Cappuccino und Smalltalk mit früh angereisten FD Crews verging die Zeit aber wie im Fluge.

Am Dienstagvormittag trudelten dann so langsam auch die weiteren streamline-Crews ein und nun endlich auch der Bootseigner Malte. So konnten wir zumindest schon mal anfangen die Kiste aufzubauen. Isabella sollte dann mit dem Vorschotershuttle aus München auch wenig später eintreffen.

Boot ins Wasser, Mast gestellt, Trapeze montiert, Ruder eingehängt, passenden Muringplatz am Schwimmsteg gesucht, … aber immer noch kein Wind. Na gut. Dann hat man wenigstens genug Zeit die 8!! Aufkleber sauber am Bug zu platzieren.

So ging dann leider auch der für Training und erstes gemeinsames Beschnuppern geplante Dienstag an Land zu Ende. Aber es gibt ja auch wichtigeres in Italien als Segeln – Vino, Pasta

und …. Gin Tonic.

Nun aber hatten wir den Salat. Drei Steuerleute, ohne echte Vorschot-Erfahrung auf der streamline setzten am Mittwochmittag die Segel und rauschten ohne große Aufwärm- und Trainingsphase Richtung Startline. Und hier stellten sich schon die ersten komischen Momente ein – wie trägt man eine Trapezhose, ohne dass man sich damit selbst größeren Schaden oder gar Narben zufügt? Malte kam aus dem Fluchen gar nicht mehr raus. Die eigenen Vorschoter werden Isa und Malte in Zukunft sicher mit deutlich mehr Respekt behandeln 😉

Aber wollen wir nicht klagen – wir hatten Sonne, es gab Wind, und den auch mit angenehmen 3-4 Bft., so dass wir bereits auf dem Weg zu Startline ordentlich ins Rutschen kamen. 9 streamlines und 5 Joker machten sich bereit für die erste Wettfahrt. 13.00 Uhr – Klassenflagge streamline. Noch 5 Minuten. Wo Starten? Am Schiff – logisch. Da gibt’s bei normaler Ora auch kaum Diskussionen, aber dann weiter? Eigentlich auch ganz klar, aber wieder einmal können wir der Versuchung nicht widerstehen, es bei der ersten Wettfahrt doch mal wieder über links zu versuchen. Es sah doch wieder soooo gut aus. Pustekuchen.

Start war prima. Voll bei der Musik. Aber dann zu lange mit Backbord gefahren und schon waren wir nur noch Fünfter. Einziger Trost: Noch war das Feld recht dicht beieinander. Leider sollte sich das heute erst einmal schnell ändern, denn nun zeigte sich die Erfahrung, Sicherheit und Manöverstärke der etablierten Crews. Allen voran natürlich Axel mit Viecher und Hacki. Spi hoch und fast gleichzeitig die Halse an der Offset, Halbwind, zwei Mann ins Trapez und weg waren sie. Adrian, Frank und Hansi folgten ähnlich routiniert. Auch wir stellten uns eigentlich ganz passabel an, aber wir spürten doch, wo die Meter herkommen. Die kleinen Hackler, der zu spät dicht gezogene Topnant, das noch etwas unsynchrone Steuern in Verbindung mit den einfallenden Böen und dem Handling des Spis und nicht zuletzt – trotz des wuchtigen Steuermanns – ein etwas niedriges Mannschaftsgewicht. Auch musste Malte feststellen, dass das Vorschoterleben auf der streamline auch mit Schmerzen verbunden ist. 50 qm bei Wind zecken Halbwinds ganzschön und geben ordentlich Milchsäure im Muskel ;-). Es kam wie es kommen musste. Es bleib beim 5. Platz in dieser Wettfahrt. Sei es drum. Wir sollten ja noch 10 weitere Chancen bekommen.

Nächstes Rennen, immerhin gleich am Start mit nach rechts gefahren, aber im Endresultat leider kaum besser, auch wenn die Manöver inzwischen deutlich runder und koordinierter liefen. Die präzisen Ansagen zu Geschwindigkeit und Gegnern von Malte und das super Timing von Isabella zur Halse waren ein Segen. Dennoch, zweites Rennen, nur Platz 6. Sieger diesmal wieder Mertens, allerdings der Junior. Top.

Aber dann. Letzter Versuch für den Tag. Der Wind ließ langsam nach. Unser erstes Highlight. Der berühmte ‘Sekt oder Selters’ Schlag. Alles fährt Halbwind Richtung Wand und bleibt stehen. Und wir? Wir schleichen uns klammheimlich mit Privatböen am Ostufer Richtung Lee. Und siehe da. Platz 2 am Fass. Und so geht’s auch erst mal auf die zweite Kreuz. Doch wie so oft, wenn es zu schön scheint um wahr zu sein – Abbruch der Wettfahrt, denn der Wind schlief immer weiter ein. Schlepp bei finaler Abendflaute. Um 18:30 waren wir dann endlich wieder im Hafen.
Man, werden wir heute gut schlafen …

Donnerstag – Sonne, Wind, aber etwas mehr Hektik, denn nun gesellten sich noch zusätzlich die Flying Dutchman und Korsare zu uns auf die Bahn. Inner und Outer Loop lautete die Zauberformel um das Klassenchaos im Griff zu behalten. Grundsätzlich eine gute Idee, nur ließen sich bei der Konstellation mit einem einzigen Start/Zielschiff die einzelnen Klasse nicht unabhängig voneinander wieder auf die Bahn schicken. Stets mussten alle Schiffe bis auf den letzten Zieldurchgang der Korsare warten. Erst dann konnte die nächste Wettfahrt angeschossen werden. Nervige Wartezeiten von 30 Minuten und mehr waren die Folge. Logistisch ließe sich dass in Zukunft sicher besser lösen. Ein separates Zielschiff hätte hier Abhilfe geschaffen. Bei dem recht sportlichen Programm von 11 Wettfahrten an 4 Tagen wurden es damit auch immer recht lange Segeltage in Torbole. In Erinnerung an manche Kieler Woche bei Schnürleregen, 10 Grad Luft und 15 Grad Wassertemperatur verstummt die Kritik dann aber auch rasch. Hey. Wir segeln am Gardasee.

Ankündigung wieder pünktlich um 13.00 Uhr. So langsam fummelten wir uns in unsern ungewöhnlichen Aufgabenverteilungen ein und auch der Trubel mit nun 4 Klassen am Start machte uns nichts weiter aus. Wir spulten unser Programm immer sicherer ab und erlaubten uns auch immer frechere Starts und Tonnenmanöver. Es lief zwar im Ganzen noch immer durchwachsen, aber in Ansätzen dann auch immer besser. Tolle Vorwindschläge und ein besonders gut gelungener Start bescherten uns endlich mal einen verdienten Tageszweiten. Leider gab es auf der anderen Seite auch immer wieder die Rückschläge ans Ende des Feldes. Sei es drum. Segeln am Gardasee macht die Platzierung zwar nicht unwichtig, es relativiert sich aber alles angesichts des Riesen-spaßes, den das Segeln auf diesem Revier immer wieder macht.

Dann ein kurzer Schreckmoment vor dem Start zur vierten und letzten Wettfahrt des Tages. Es knallt bei Roman auf dem Schiff, dass man schlimmstes befürchten muss. Und in der Tat – Tobi fällt – vom Baum mit voller Wucht am Kopf getroffen – rückwärts aus dem Schiff. Wir als nächstes Schiff stoppen sogleich auf und schauen, ob Hilfeleistung benötigt wird. Glücklicherweise hebt Tobi nach ein paar Sekunden den Arm aus dem Wasser und signalisiert, dass er zumindest bei Bewusstsein ist. Puh. Das gibt sicher ne stattliche Beule. Roman dreht ab und steuert Richtung Hafen. Richtige Entscheidung.

Nach Ende des Segeltages wird dann noch lange über die mögliche Gehirnerschütterung und die Schädigung der drei Gehirnzellen diskutiert, aber alle Befürchtungen bewahrheiten sich nicht. Tobi verträgt sogar schon wieder sein erstes Bier 😉

Damit steht dem Abendprogramm ja nichts mehr im Weg. Wenn da nicht die schweren Arme und die müden Augen wären. Aber die nett organisierten Abendessen in häufig großer streamline-Runde machen einem die Strapazen des Tages schnell vergessen. Eine tolle Truppe mit viel Herz und Witz und noch mehr Zusammenhalt. Als Newbie in der Klasse hab ich mich hier vom ersten Tag an wohl gefühlt.

Freitag – Bergfest vorbei, es geht in die zweite Hälfte. Und der Wind spielte zum Glück nun doch gleichmäßig mit. Auch wenn nicht wirklich die Monster-Ora mit 6-7 Bft. weht, so haben wir alle genug zu tun, unsere Boliden schnell und ohne Sonnenschuss über den Parcours zu lenken.
Inzwischen passte es auch bei uns mit der Abstimmung immer besser. Zweimal ein Dritter lässt auf eine Verbesserung im Gesamtergebnis hoffen. Aber im Mittelfeld ist es doch recht eng beieinander und zwei anschließende 4. Plätze lassen die aufkeimende Euphorie schnell wieder etwas abkühlen.

Nicht so an der Spitze. Hier spult Altmeister Sascha sein Programm mit einer Siegesserie von inzwischen vier Ersten in Folge ab und auch Adrian war bisher noch voll bei der Muasik. Aber Halt. Team Canvas will sich das nicht so einfach gefallen lassen. Peter, Frido und Tony drehen ordentlich auf. Nach verhaltenem Start an den ersten Tagen läuft es nun richtig rund bei den Jungs. Zwei Tageserste zum Abschluss des dritten Tages und Adrian, der den ganzen Tag im falschen Trimm unterwegs ist, und schon ist Platz 2 im Gesamtklassement nicht mehr so klar in Familie Mertens Hand.

Finaler Tag. Samstag. Die letzten zwei Rennen stehen an und Axel packt schon ein. Die souveräne Serie von 1/3/3/1/1/1/1/2/2/dnf/dnf und zwei Streicher machen es möglich. Ein tolle Leistung, vor allem angesichts der Tatsache, dass sich Viecher am ersten Trainingstag recht schmerzhaft das Bein verrenkt und aufgeschürft hat. Zähne zusammenbeißen und durch. So sehn Sieger aus. Glückwunsch noch einmal an dieser Stelle.

Zurück aufs Wasser. Wind mit unklaren Tendenzen und immer wieder deutlichen Linksdrehern am Startschiff.
Was soll’s. Wir haben eh nichts zu verlieren. Wir diskutieren kurz und entscheiden gemeinsam. Steuerbordstart.
Der Wind passt. 20 Grad Linksdrehung, wir nehmen ordentlich Anlauf hinterm Pin End. Vollgas. Schuss. Bei Null an der Linie und wie aus der Kanone geschossen übers Feld rüber. Die Wende nach rechts gespart, lagen wir deutlich in Luv und deutlich vorne auf dem Weg zur Wand.
Zwei Schiffe gehen noch mal nach Links, wir gehen mit und decken, halten uns damit auch weiter prima an der Spitze. Dann die Wende zurück nach rechts und dabei passiert es. Isa rutscht der Trapezhaken durch. Vollwaschgang. Zum Glück erwischt sie noch meine Hand. Vollbremsung. Großschot auf. Heckeinstieg, einmal durchschnaufen und weiter geht’s. Wir kämpfen uns wieder ran und werden am Ende noch Vierter. Wie bei jedem Zieldurchgang gibt’s das gegenseitige High Five. Jetzt sind wir motiviert bis in die Zehenspitzen. Da geht heut noch was.

Verschworene Blicke beim Start zur letzten Wettfahrt. Noch einmal die Steuerbordnummer? Frech. Aber wir versuchen es. Nun jedoch nicht mehr allein. Adrian riecht ebenfalls den Braten und liegt knapp über uns am Pin End. Wir kurbeln uns an die Linie. 3, 2, 1 … ‘Scheiße wir sind rüber’. So zumindest unserer Vermutung, da wir doch sehr dicht dran waren und über uns schon wild am Pin End Schiff ins Walkie Talkie gebrabbelt wurde. Abfallen, unter die Linie, Blick zum Startschiff – wo weht die X? Doch ‘all clear’? Shit, shit, shit … wieder hoch. Weiter geht’s.
Ärger runter schlucken und konzentrieren. Noch liegen wir an dritter Stelle, aber dann kommt die Fabelansage von Malte. Mitten auf der Kreuz: Wende.
Und wirklich. Wir springen als erster ab nach Backbord Richtung Luvmarke. Heillos weit unter der Layline. Zu hoch gepockert? Mit Nichten. Ich sagte ja ‘Fabelansage’ !! Der Wind dreht immer weiter rechts. Wir schaffen den Anlieger und sind als erste am Fass. Konzentration. Jetzt bloß keinen Mist mehr bauen.

Aber die Sorge ist unnötig. Die Spimanöver laufen wie am Schnürchen und den ersten Halbwind braten wir mit Vollgas bis zur ersten Halse. Isa findet für uns wieder das perfekte Timing für den Absprung zur Leemarke. Einzig Hansi und Adrian sind noch dicht dabei, verstricken sich aber in Luvkämpfe. Perfekt. Den Abstand brauchen wir. Spi bergen, zweite Kreuz, Schiff läuft super Höhe und Speed. Kein Problem zwischen Tonne und Feld zu bleiben.
Letzter Spigang – Manöver flutschen wie Butter. Keine Hackler mehr, der Topnant steht auf den Punkt, Isa und Malte hängen lang, Arsch raus – die Kiste rast.
Am Fass zum letzten Mal den Spi bergen. Frühzeitig, dafür aber sicher. Letzter kurzer Halbwind ins Ziel. Endlich. Das High Five zum Tagesersten paart sich mit einem extra breiten Grinsen bei uns drein.

Homerace.
Lago, wir sehen uns wieder im nächsten Jahr.
Isa & Malte – vielen Dank für die tolle gemeinsame Woche!!

Alle Bilder findet Ihr hier: >>> EURO – CUP 2016 BILDER